26. November 2020

Die Arthrose lässt sich genau wie viele andere Erkrankungen in Stadien untergliedern. Anhand dieser Stadien kann der Mediziner beschreiben, wie weit die Arthrose fortgeschritten ist und welche Behandlung sinnvoll sein könnte. Die Bestimmung des Stadiums ist daher zunächst Gegenstand der Diagnose, nachdem feststeht, dass eine Arthrose vorliegt. Die heute verwendete Einteilung stammt aus dem Jahr 1963 und wurde von Dr. Outerbridge vorgenommen, der von insgesamt vier Stadien ausging.

  • Grad I

Bei arthrotischen Beschwerden des ersten Grades ist noch kein erheblicher Knorpelschaden entstanden. Der Knorpel des betroffenen Gelenks ist noch glatt und würde in der Arthroskopie gesund wirken. Auch im Rahmen der bildgebenden Verfahren würden sich keine Auffälligkeiten zeigen. Allerdings hat der Knorpel bereits deutlich an Elastizität und Erholungsfähigkeit eingebüßt, sodass sich erste Schmerzen dadurch ergeben können, dass er das Gelenk nicht vor jeder Belastung schützen kann.

  • Grad II

Beim zweiten Grad der Arthrose können sich erste sichtbare Schäden am Knorpel zeigen. Inzwischen hat er bereits deutlich seine Elastizität eingebüßt und erholt sich auch nicht mehr so rasch von Belastungen wie früher. Dafür werden in einer Arthroskopie feine Rillen im Knorpel sichtbar, die darauf hindeuten, dass der Körper nicht mehr so viel gesunden Knorpel nachproduzieren kann, wie er eigentlich sollte. Ein solcher Knorpelschaden kann sich beispielsweise daraus ergeben, dass die Sehnen beschädigt sind und daher einen Teil ihrer Belastung auf die Knorpelschicht übertragen wollten, was diese jedoch nicht gut aufgenommen hat.

  • Grad III

Eine Arthrose des dritten Grades lässt sich vom Patienten kaum noch übersehen. Er leidet unter Gelenkbeschwerden, da sich die Knorpelschicht inzwischen abgerieben hat. Eine Arthroskopie oder ein bildgebendes Verfahren im Rahmen der Diagnose gibt Aufschluss darüber, dass sich ein Krater im Knorpel ergeben hat. Der Knochen des Gelenks liegt nun frei und ist Reibungen bei der Bewegung ausgesetzt. In diesem Stadium verändert sich der bisherige Schmerz durch die Arthrose häufig, da das Gelenk neue Schmerzquellen entwickelt, die negativ zum Schmerzempfinden beitragen.

  • Grad IV

Der vierte und letzte Grad der Arthrose markiert das Stadium des Krankheitsbildes, ab dem es sich nicht mehr weiter verschlimmern kann. Ganz gleich, was der Auslöser der Arthrose gewesen ist – sie hat inzwischen einen Punkt erreicht, an dem die Knorpelschicht nicht mehr vorhanden ist. Eine Supplementierung der Nahrung mit Aminosäuren wie Arginin oder Methionin würde nun keinen Erfolg mehr haben, der Knorpel des betroffenen Gelenks muss meist operativ ersetzt werden. Da der Knochen völlig freiliegt, kann es sein, dass auch er bereits langfristigen Schaden genommen hat. Ein operatives Verfahren ist jedoch in jedem Fall erforderlich, sobald die Arthrose ihr Endstadium erreicht hat.

Aktivierte Arthrose

Die aktivierte Arthrose ist eine Sonderform der Arthrose, die nicht in die Unterteilung der Grade nach Outerbridge aufgenommen wird. Sie muss nicht zwangsläufig bei jedem Patienten erscheinen, kann aber im Laufe der Zeit auftreten und wird oftmals von anderen entzündlichen Zuständen begleitet. Bei der aktivierten Arthrose füllt sich ein arthrotisch verändertes Gelenk mit Flüssigkeit, die den Zustand insgesamt entzündlich werden lässt. Die aktivierte Arthrose wird sofort behandelt, indem die Flüssigkeit mithilfe einer Gelenkpunktion abgelassen wird, da sie sich in dem seltensten Fällen von alleine zurückbilden könnte. Aktivierte Arthrosen können in jedem Stadium der Krankheit auftreten und dafür sorgen, dass die langfristige Behandlung der Arthrose für einen kurzen, ambulanten Eingriff unterbrochen werden muss. Ein Symptom dafür, dass sich die Arthrose insgesamt verschlimmert hat, sind sie jedoch nicht.

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