13. November 2018

Ich bin 41 Jahre alt. Ich möchte euch von meiner Arthrose-Krankheit berichten, die an einem dafür recht ungewöhnlichen Teil des Körpers ausbrach, nämlich am Handgelenk. Die gängigsten Arthrosearten  sind ja sonst im Knie- oder Hüftbereich.

Es ging alles vor vielen Jahren los, und man ist immer wieder überrascht, dass der Körper nicht vergisst.  In meiner Jugend bin ich mit dem Mountainbike im Gelände gestürzt. Dabei hatte ich mir die Hand gebrochen, die verheilte aber relativ zügig  und ich konnte meinen gewohnten sportlichen Aktivitäten wieder problemlos nachgehen. Vor einigen Monaten traten in der betroffenen Hand allerdings plötzlich Schmerzen auf. Das war nur dann der Fall, wenn ich diese bewegte, was in meinem Bürojob zwar vorkommt, aber glücklicherweise nicht so extrem wie z.B. bei Handwerkern. Es war soweit aber noch auszuhalten, weil der Schmerz eben recht selten auftrat und dann auch zügig wieder verschwand. Ich dachte an eine Reizung, wenn ich auch nicht wusste, woher, aber die würde schon wieder weggehen, so hoffte ich zumindest. Leider hatte ich mich da getäuscht. Es wurde nicht besser, sondern immer schlimmer. Trat der Schmerz anfangs wie schon gesagt, nur bei Bewegungen auf, so hatte ich mittlerweile sogar damit zu tun wenn ich die Hand ruhig hielt. Langsam machte ich mir zwar noch keine Sorgen, aber doch Gedanken. Das änderte sich aber ganz schnell als ich eines Morgens bemerkte, dass das Gelenk sogar angeschwollen war. Ich holte mir gleich einen Termin beim Arzt, der  meine Hand richtig durchcheckte. Auf dem Röntgenbild erkannte er gleich meine Fraktur vom Mountainbiking, die zwar schon fast zwanzig Jahre her war, aber  offensichtlich doch nicht so optimal verheilt bzw. zusammengewachsen war wie ich dachte. Außerdem stellte er auch fest, dass ich in dem Bereich schon Arthrose habe.  Daran machte er auch meine Beschwerden fest.

Da er die sogenannten konservativen Therapiearten für nicht sonderlich erfolgreich hielt, empfahl er gleich eine Operation. Ich dachte, nun gut, wenn es sich nicht ändern lässt, aber wo ist das Problem, heutzutage wird ja schon alles mögliche ohne Komplikationen operiert und die Leute können nach wenigen Tagen schon wieder fast unbeschwert ihrem normalen Alltag nachgehen. Als mir der Arzt allerdings die vier Möglichkeiten aufzählte bekam ich doch schon ein flaues Gefühl. Bei der ersten werden die Nerven durchtrennt, wobei das schlimmer klingt als es ist, da es sich um die Nerven handelt, die den Schmerz verursachen. Der Gefühlsinn wird nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Nachteil ist allerdings, dass diese Maßnahme grundsätzlich  bei einer Erfolgschance von 2/3 liegt, und darüber hinaus auch nur von begrenzter Dauer erfolgreich ist. Bei den anderen Behandlungsmethoden wird das Handgelenk entweder teilweise oder komplett versteift, oder es wird gar ein künstliches Handgelenk eingesetzt. Als ich die „Alternativen“ hörte, kam ich mir vor als wenn ich mich zwischen  Cholera und Pest entscheiden müsste. Letztendlich habe ich mich für die erste Methode entschieden, das Nervendurchtrennen, das sich Denervation nennt.

Die OP an sich verlief problemlos, im Anschluß daran bekam ich einen Gips für zwei Wochen. Der ist aber eher als Schutz gedacht, damit die Wunden ungestört verheilen können. Mit einer Belastung des Handgelenks sollte ich erst nach eineinhalb Monaten  nur ganz allmählich beginnen. Das ganze ist jetzt ungefähr sechs Monate her und soweit ist alles gut, zumindest für den Moment. So richtig happy bin ich natürlich nicht, denn die Wahrscheinlichkeit, dass das alte Leiden wieder auftaucht ist doch relativ groß. Und die anderen Behandlungsmethoden finde ich alle nicht wirklich angenehm. Ändern kann ich das alles leider nicht mehr. Letztendlich ist es immer wieder das alte Lied: Bei einer Krankheit oder Verletzung immer gleich zum Arzt, um Schlimmeres zu verhindern. Oder ich hätte damals nach meiner Handverletzung noch genauer beim Arzt fragen sollen, was mit der Fraktur genau gemacht hat – oder eben auch nicht. Dann wäre mir eine Menge Leid erspart geblieben. Also, Augen auf bei der Ärztewahl und immer wieder nachfragen, wenn ihr etwas nicht versteht.

 

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